UDUMA - Das Labor BWAKO in Butembo

Butembo, den 6. Oktober 2001

Ein kurzer Bericht

1984 fing ich an - ausgehend von meinen mageren Rücklagen - Geld zu beschaffen, um ein REFERENZ-LABOR FÜR DEN NORD-KIVU aufzubauen. Die vielen Patienten, die ich während meiner Ausbildung betreut hatte, beflügelten diesen ehrgeizigen Plan. Das war in Uganda in den 70er Jahren. Später arbeitete ich im Mama Yemo Krankenhaus (Kinshasa) und ich sah, wie die Menschen von weither kamen um medizinische Hilfe zu bekommen. Ich wollte mich vor allem um all diejenigen kümmern, die es sich nicht leisten konnten, solch eine weite Reise zu unternehmen und die dennoch die medizinische Hilfe brauchten. Was sollte aus ihnen werden? In dieser Zeit gab es für diese dicht besiedelte Gegend um Lubero und Beni sehr wenige Ärzte, weniger als 10 für eine Bevölkerung von mehr als 2 Mio. Menschen. Obwohl ich eine gut bezahlte Stelle in Kinshasa hatte, hatte ich das Bedürfnis meinen bescheidenen Beitrag dazu zu leisten, dieses Problem lindern zu helfen

Das Problem war, wie und wo sollte ich anfangen? Ich arbeitete im Mama Yemo Krankenhaus und unterrichtete Studenten aus Kinshasa in Hämatologie und Bluttransfusion. So gelang es mir einige dieser jungen Männer aus Lubero und Beni dazu zu gewinnen nach Ihrem Studium hier in Ihre Heimat zurückzukehren. Aber wie kann ein Pilot fliegen ohne Flugzeug? Wie kann ein Chirurg operieren ohne Skalpell ? Und wie kann ein Reisender eine Entfernung von 100 km überwinden ohne einen ersten Schritt zu tun? So kam es, dass ich 1984 voller Zuversicht den ersten Schritt unternahm. Ich fing an mit einigen Pipetten, Mikroskop-Objektträgern, Deckgläsern und einigen anderen Utensilien, alles was ich auftreiben konnte. Vieles davon war geliehen. Ich hatte auch einen kleinen Vorrat an Reagenzien. Zuallererst hatte ich jedoch meinen Kopf und so mietete ich einen Raum in einem Haus direkt an der Hauptstraße. Da konnten mich neugierige Menschen sehen wie ich über meinem Mikroskop arbeitete, umgeben von den wenigen anderen Utensilien. Ich war schon eine Zeitlang hier, als ich Georg Roloff und Lisa Tepass traf und ohne dass ich dies damals ahnte, war dies der Beginn einer neuen Hoffnung und einer Erleichterung meiner schweren Last.

Ich schreibe diesen Bericht um Georg, Lisa und all den Freunden zu danken, die das Bwako Labor zu dem gemacht haben, was es heute ist. Unser Dank geht an Todd Carlsen; er spendete uns ein Mikroskop und ein Colorimeter. Leider konnten wir den Colorimeter bisher nicht nutzen, weil er mit einer anderen Spannung funktioniert als uns hier zur Verfügung steht. Unser Dank geht an Georg Roloff, Lisa, Terra Tech und TTM für alles, was sie für uns getan haben und weiterhin für uns tun.

Butembo, wo wir leben, ist eine sich sehr rasch entwickelnde Stadt mitten im Herzen von Afrika. Wir leben in einem für afrikanische Verhältnisse sehr kühlen Klima. Westlich von Butembo haben wir die Ausläufer des Regenwaldes, der sich weit bis hinter Kisangani und hinunter bis Kinshasa erstreckt. Östlich von Butembo fangen die ausgedehnten herrlichen Steppenlandschaften an, die bis zum Indischen Ozean reichen und die viele Menschen in diese ostafrikanische Region locken.

Ich liebe Butembo in vieler Hinsicht. Das Volk der Banande, die hier leben, sind auf eigenartige Weise sehr selbstgenügsam. Für lange Zeit lebten sie so gut wie vergessen von der Außenwelt. Aber sie konnten sich selbst natürlich nicht vergessen. Wenn sie krank sind, versuchen sie die bestmögliche Behandlung zu bekommen. Dabei kommt es jedoch manchmal vor, dass sie sich in die falschen Hände begeben und betrogen und enttäuscht werden.

An all dies dachten wir, als wir mit dieser Arbeit anfingen. Dieser Geist beflügelt uns immer noch. Die Probleme hier sind natürlich durch den Bürgerkrieg schlimmer geworden. Einige Menschen haben sich immerhin für die Laufbahn des medizinischen Labortechnikers interessiert, und wir hoffen, daß sie ihre Diagnoseaufgaben im wissenschaftlichen Geist durchführen.

Vor der Befreiung 1994 war es uns gelungen, die Menschen davon zu überzeugen, sich erst Tests zu unterziehen um eine genaue Diagnose zu erhalten, bevor sie sich behandeln ließen. Nur so war es möglich, eine geeignete Behandlung zu finden und nur so konnte verhindert werden, dass nur die Symptome der Krankheit unterdrückt wurden. Aber durch den Krieg sind die Menschen so verarmt, dass ihnen die Mittel fehlen, um weiterhin medizinische Hilfe zu bekommen. Trotzdem geben wir nicht auf und halten den Geist, der uns leitet, weiter am Leben. Studenten kommen weiterhin als Praktikanten in unser Labor. Wir freuen uns sehr über diese jungen Menschen von den Unis, den medizinischen Fakultäten und anderen Bildungseinrichtungen. Es ist uns vollkommen bewusst, dass wir diesen jungen Männern und Frauen nur helfen konnten, weil Ihr uns die verschiedenen Geräte für das Labor beschafft habt, dies zusammen mit unserem bescheidenen Wissen. Wir sind Euch von ganzem Herzen dankbar. Der Generator ist ein langfristiges Kapital und wir behandeln ihn äußerst sorgfältig und gewissenhaft.

Die Sendung, die wir Anfang des Jahres bekommen haben, machte uns sprachlos, aber unsere Herzen sind voller Dankbarkeit. Was sie enthielt, war auf fantastische Weise ausgewählt um unseren dringendsten Bedarf zu decken. Mit dem elektrischen Mikroskop konnten wir die Blutproben viel besser analysieren und so weiter und so fort. Wir gehen mit erhobenem Haupt. Ihr habt uns sehr stolz gemacht und voller Hoffnung: wir haben eine helle Zukunft vor uns.

Wir hoffen, dass dieser Bürgerkrieg eines Tages zu Ende sein wird und wir hoffen dass dann Politiker das Land regieren werden, die humanitäre Unternehmungen wie unsere fördern werden. Einige Politiker scheinen dazu bereit zu sein, wenn man Ihren Reden glauben darf.

Beigefügt habe ich die Wünsche der Studenten. Wie Ihr seht, wollen manche sogar, dass wir eine reguläre Schule gründen. Aber davon sind wir natürlich weit entfernt. Wir werden diese Idee jedoch als zukünftiges Projekt beibehalten. Immerhin arbeiten wir bereits mit einer Schule zusammen, die Krankenschwestern auf einem universitären Niveau ausbildet.

Aber wie Ihr wisst, muss sich das Labor erst um seine praktischen Aufgaben kümmern und das bedeutet, dass wir gut ausgestattet sein müssen. Ich stehe weiterhin in Kontakt zu meiner Schule in Kampala. Wir hoffen, dass Ihr uns auch dort wieder helfen könnt. Es gibt so viel zu tun. Mir fehlt der Platz um alles in diesem Bericht zu erwähnen. Im nächsten Brief will ich versuchen zu beschreiben wie wir mit der Schule zusammenarbeiten könnten. Auf der anderen Seite fehlt es aber auch dort an den notwendigen Geräten.

Bitte erlaubt mir zum Schluss eine Liste der am dringendsten benötigten Geräte anzufügen:

  • 2 Wasserbäder (Inkubationsbäder)
  • 1 Hämoglobin-Elektrophoresegerät
  • 1 Serum-Elektrophoresegerät
  • 1 Präzisios-Analysewaage mit einer Toleranz von 0,001 g oder sogar einer Toleranz von 0.0001 g zur lokalen Herstellung einiger Reagenzien.
  • Einige Nadeln zur Knochenmark-Punktion.
  • Ein Wasserdestillationsgerät, mit dem wir ausreichend destilliertes Wasser für unser Labor bereiten können.
  • 2 Solarkühlschränke für unsere Reagenzien. Mit einem der beiden könnten wir beginnen, eine Blutbank aufbauen.

Warum diese Solarkühlschränke? Die Elektrizität hier ist so unregelmäßig und einen Kerosinkühlschrank zu betreiben wie wir es zur Zeit tun, ist sehr teuer und umständlich, besonders in diesen unruhigen Zeiten, wo wir uns manchmal tagelang im Haus aufhalten müssen und außerdem das Kerosin knapp wird. Schon oft haben wir deshalb dringend benötigte Reagenzien verloren - und außerdem haben wir hier jeden Tag so viel Sonnenschein.

Kakule Masangavuka

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